Abstracts of papers: 

The Chimalpahin Conference 2008:

Colonial and Post-Colonial Remembering and Forgetfulness

October 15 - 18, 2008 

 

Ausblendung – Anerkennung – Dekonstruktion. Möglichkeiten und Risiken pädagogischer Umgangsweisen mit Andersheit und Differenz

Melanie Plößer 

Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit

University Of Applied Sciences Kiel 

(Alemania)

& Paul Mecheril

Fakultät für Bildungswissenschaften

University Innsbruck

(Austria)

Die Frage des gesellschaftlichen Umgangs mit Differenz und Andersheit gehört zu den wichtigsten Themen politischer Auseinandersetzung und sozialtheoretischer Reflexion der Gegenwart. Auch in der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft stellt „Differenz“ und „Andersheit“, vor allem seit Mitte der 1990er Jahre, ein wichtiges, gleichwohl, dies gehört zum Thema, unterschiedlich behandeltes Thema dar.  Insbesondere die Migrations- und die Geschlechterforschung haben die Pädagogik darauf aufmerksam gemacht, dass Adressaten und Adresssatinnen von Erziehung und Bildung „unterschiedlich verschieden“ sind. Was aber sind pädagogische Strategien, um der Andersheit von Menschen im Rahmen von Bildung und Erziehung gerecht zu werden? Welche Chancen und Möglichkeiten bergen die jeweiligen pädagogischen Umgangsweisen mit Differenz und Andersheit? Und welche Risiken und Ambivalenzen können mit ihnen verbunden sein?

Im Rahmen unseres Beitrags soll die deutschsprachige Diskussion zum Thema „Umgang mit Andersheit in der Pädagogik“ vorgestellt werden. Dazu werden zunächst am Beispiel „Schule und Migration“ die Probleme eines differenzunempfindlichen, d.h. eines faktische Unterschiede ausblendenden Umgangs mit Andersheit aufgezeigt. Daran anschließend soll die bedeutsame Alternative zur Ausblendung von Unterschieden, nämlich die Umgangsweise der „Anerkennung von Differenz“ in ihren Forderungen, Zielen und Perspektiven erläutert werden. Die Probleme die mit einem Differenzen anerkennenden Vorgehen einhergehen, werden anschließenden aus der Perspektive der Gender Studies reflektiert.  Hier bieten sozialkonstruktivistische Differenzverständnisse, aber vor allem auch dekonstruktive Differenzansätze der Pädagogik alternative Sichtweisen auf  Umgangsweisen mit Andersheit an, etwa die der Vervielfältigung, der Kontextualisierung und der Infragestellung von Differenz und Andersheit.  Da auch die sozialkonstruktivistischen und dekonstruktiven Strategien mit bestimmten Einseitigkeiten, Zumutungen und Mängeln verknüpft sind, soll in einem abschließenden Schritt auf die Unaufhebbarkeit der Dilemmata im pädagogischen Umgang mit Andersheit verwiesen werden. Die These: Im Rahmen einer pädagogischen Beschäftigung mit Andersheit geht es nicht um den richtigen Umgang mit Differenz. Vielmehr wird eine kritisch-reflexive Thematisierung von Differenz präferiert, bei der sich die unterschiedlichen Umgangsweisen nicht ausschließen, sondern ergänzen können.

Insgesamt will der Beitrag eine Thematisierung des Problemfeldes „Andersheit“  vornehmen, die von dem Interesse getragen ist, zentrale pädagogische Umgangsweisen mit „Andersheit“ (Ignoranz, Anerkennung, Dekonstruktion) auf ihre Machtwirkungen zu befragen, also darauf zu betrachten, wo sie Handlungsspielräume von Menschen potentiell und – in der pädagogischen Praxis – faktisch beschränken. Dabei beziehen wir uns vor allem auf Diskurse der Interkulturellen Pädagogik und auf die pädagogische Reflexion von Geschlechterverhältnissen, weil in diesen Feldern die theoretische Beschäftigung mit der Verschränkung von Differenz und Macht am differenziertesten entwickelt ist. Gleichwohl steht die systematische Auffächerung von Problemstellungen, die mit dem Zusammenhang von „Andersheitz und Pädagogik“ gegeben sind, im Vordergrund.

Melanie Plößer, Dr. phil: Professorin für Theorien und Konzepte der Sozialen Arbeit am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel. Studium der Pädagogik und Psychologie an der Universität Bielefeld, Langjährige praktische Tätigkeiten in der Jugendarbeit und in der Drogenhilfe, von 1998 bis 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG "Diagnose und Beratung" der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld. Derzeitige Arbeitsschwerpunkte:  Umgang mit Differenz und Vielfalt in der Pädagogik und der Sozialen Arbeit, Dekonstruktive Ansätze, Theorien und Konzepte der Gender- und Queerforschung

Paul  Mecheril, Dr. phil., Univ.-Professor für Interkulturelles Lernen und Sozialer Wandel an der Universität Innsbruck.  Studium der Psychologie in Trier, Bielefeld, Wien und Münster. Hochschuldozent an der Fa­kultät für Pädagogik der Universität Bielefeld.  Lehr- und Forschungsschwerpunkte u.a.: Interkulturelle Erziehungswissenschaft, Migrationsforschung,  Cultural Studies.  Letzte Buchveröffentlichungen: Politik der Unreinheit. Über die Anerkennung von Hybridität. Wien: Passagen (2003); Prekäre Verhältnisse. Über natio-ethno-kulturelle  (Mehrfach-)Zugehörigkeit. Münster: Waxmann (2003); Einführung in die Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz (2004); Die Macht der Sprachen. Münster: Waxmann (2006; hg. mit Thomas Quehl); Cultural Studies und Pädagogik. Bielefeld: transcript  (2006; hg. mit Monika Witsch).

 

 

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